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Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren

© 2015 Tauwetter e.V.

Fachberatung

Mit Männern konfrontiert, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren?

Es gibt in der Arbeit mit Erwachsenen zahlreiche Situationen in denen sich ein Betreuer oder eine Altenpflegerin plötzlich unvorbereitet mit sexualisierter Gewalt konfrontiert sieht. Da erinnert sich ein pflegebedürftiger alter Mann plötzlich an die ihm in seiner Kindheit angetane sexualisierte Gewalt, und will sich nicht mehr berühren lassen, da bricht ein drogenabhängiger junger Mann zusammen und erzählt, dass er sich, um das Geld für seinen Konsum zu beschaffen, prostituiert und dabei regelmäßig vergewaltigt wird.

Opfererfahrungen sexualisierter Gewalt spielen auch im Leben erwachsener Männer eine Rolle.

Das können aktuelle Erfahrungen sein, öfter sind es aber alte Erfahrungen, die wieder hoch kommen. Manchmal wollen die Betroffenen alles schnell wieder vergessen, andere wollen das Thema jetzt bearbeiten. In allen Fällen spielen nicht nur spezialisierte Fachkräfte eine Rolle, sondern auch das konkrete Umfeld, in dem sich der Betroffene bewegt. Ist im Betreuten Wohnen Platz, auch über solche Themen zu sprechen? Ist in der Therapie Raum für die Bearbeitung der sexualisierten Gewalt oder hat der/die Therapeut_in Angst vor dem Thema? Werde ich in der psychiatrischen Kriseneinrichtung ernst genommen oder mit einer Diagnose und Medikamenten abgespeist?

An vielen Punkten und zwar meist dort, wo niemand damit rechnet, tauchen Männer auf, die sexualisierter ausgesetzt waren. Spezialisierte Facheinrichtungen wie Tauwetter bemühen sich natürlich, die Betroffenen direkt zu unterstützen. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass sie von ihrem Umfeld getragen werden. Damit diejenigen, die beruflich Teil dieses Umfeldes sind, einen Ort für ihre eigenen Fragen bekommen, gibt es in der Anlaufstelle Tauwetter das Angebot einer Fachberatung.

Wir wollen Mut machen, vor dem Thema nicht zurückzuschrecken und Betroffene zu unterstützen. Wir stehen sozusagen in Stand-By um Sie selber mit unserer Expertise zu unterstützen.

Und was ist mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche?

Immer wieder kommen Mitarbeiter_innen in Einrichtungen, in denen mit Kindern oder Jugendlichen gearbeitet wird an ihre Grenzen. Das hängt oftmals mit den Rahmenbedingungen, unter denen die Arbeit stattfindet, zusammen, teilweise aber auch mit eigenen Erfahrungen und persönlichen Grenzen – fast immer aber ist es themenspezifisch.

Ein Thema, bei dem diese Grenzen oft schnell spürbar werden, ist sexualisierte Gewalt. Viele sind in ihrer Ausbildung nicht ausreichend darauf vorbereitet worden, oftmals wühlt das Thema sehr auf und nimmt die Mitarbeiter_innen emotional sehr mit, Supervisionsmöglichkeiten sind häufig nicht ausreichend vorhanden.

Wer kann schon ruhig bleiben bei dem Gedanken, dass ein Junge nachher nach hause geht und dort unter Umständen sexualisierter Gewalt ausgesetzt ist? Oder gar, wenn eine Vermutung aufkommt, ein_e Kolleg_in wäre eventuell sexuell übergriffig?

Grundsätzlich gelten in dieser Situation drei goldene Regeln der Intervention

  • Vorbereitet sein
    Vorher mal überlegen, „was tue ich, wenn ..." hilft sehr viel.
  • Mit Herz und Verstand vorgehen / Ruhe bewahren
    Eine effektive Intervention verlangt Einfühlungsvermögen und ruhiges, besonnenes Handeln. Überstürztes, vorschnelles Reagieren schadet oft mehr, als es nützt. Deshalb heißt es oft: „Erst Mal zur Ruhe kommen, einen Kaffee trinken und überlegen".
  • Eigene Grenzen erkennen und rechtzeitig Hilfe holen.
    Niemand kann sexualisierte Gewalt alleine stoppen. Kooperation ist das A und O.

Aber was helfen diese allgemeinen Regeln, wenn gerade alles über mir zusammen zu brechen scheint?

Fachberatung kann eine Möglichkeit sein, sich zu sortieren und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Wir sind keine Einrichtung, die Interventionen bei akuter sexualisierter Gewalt durchführt oder koordiniert, aber wir können Ihnen dabei helfen die nächsten Schritte einzuleiten.

Terminvereinbarung:

Die Beratung ist auf Wunsch anonym, sie ist kostenfrei, Spenden sind willkommen.
Termine können Sie unter der Nummer 030 / 693 80 07 zu unserer telefonischen Sprechzeiten

Dienstag 16:00 – 18:00 Uhr,
Mittwoch10:00 – 13:00 Uhr und
Donnerstag 17:00 – 19:00 vereinbaren.

Oder Sie schicken uns eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!