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Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren

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Tauwetter-Nachrichten – Neue Beiträge

Wir informieren in unregelmäßigen Abständen über neue Beiträge auf der Seite Aktuelles auch per Email. Diese Tauwetter-Nachrichten können Sie abonnieren

Freitag, 26. März 2021

Neue "hybride" Selbsthilfegruppe für betroffene Männer

Trotz Corona wird bei Tauwetter demnächst eine neue Selbsthilfegruppe für betroffene Männer starten. Dies wird die erste "hybride" Gruppe sein, d.h. Online-Treffen in der gesamten Gruppe werden sich mit vor-Ort-Treffen von Kleingruppen abwechseln. Damit wollen wir versuchen auch unter den Einschränkungen die durch Corona entstanden sind, eine ausreichend große Selbsthilfegruppe zu starten. Wer an einem solchen Format Interesse hat, bitte zu unseren Telefonzeiten unter 030/6938007 melden. Anvisierter Start ins im Mai. Mehr Informationen zu Selbsthilfegruppen ist hier zu finden, die Besonderheiten des Formats werden wir in Vorgesprächen und am Anfang der Gruppe besprechen.

Wir bitten alle dies an mögliche Interessenten weiter zu sagen, die normale Kommunikation über Aushänge usw. ist im Moment erschwert.

Wir hoffen im Herbst wieder eine "normale" Gruppe starten zu können.

Freitag, 26. März 2021

Neuerscheinungen gegen die Reduzierung sexualisierter Gewalt auf ein individuelles Trauma in Beratungsarbeit und Aufarbeitung

Kontextualisierte Traumaarbeit, Beratung und Begleitung nach geschlechtsspezifischer Gewalt – Forschungsergebnisse aus der Praxis feministischer Beratungsstellen ist der Titel eines kleinen Büchleins von Ariane Brenssell, Ans Hartmann und Cai Schmitz-Weicht. Es berichtet über fünf Jahre gemeinsamer Forschungsarbeit gewaltbetroffener Frauen, von Berater*innen des bff und zwei Wissenschaftler*innen. Unterstützungsarbeit für Gewaltbetroffene setzt nicht nur Beratungs- und Traumakompetenzen voraus, sondern auch Zusammenhangswissen über Machtstrukturen und den Einsatz für eine Veränderung dieser Verhältnisse. Sehr gut lesbar. und für alle, die an Beratungsarbeit interessiert sind zu empfehlen. Herausgegeben und zu beziehen über den bff oder in den Berliner Buchläden Schwarze Risse, OH21 und den Buchladen zur schwankenden Weltkugel. Ariane Brenssel war früher Berater*in bei der Beratungstelle Lara in Berlin und ist inzwischen Professorin an der Ostfalia Hochschule. Sie ist Kritische Psychologin und arbeitet schon länger zu sexualisierter Gewalt.

Sexualisierte Gewalt. Aufarbeitung und Bewältigung aus einer reflexiv-sozialpsychologischen Perspektive. Petrer Caspari (geb. Mosser) ist Berater bei kibs in München, war als Mitarbeiter des IPP-münchen an  mehreren Aufarbeitungsprojekten (Kloster Ettal, Odenwald-schule, Stift Kremsmünster) beteiligt und ist Autor des Buches "Wege aus dem Dunkelfeld, Aufdeckung und Hilfesuche vei sexuellem Missbrauch an Jungen". Jetzt hat er hat ein neues Buch geschrieben, warum die Aufarbeitung sexualiserter Gewalt eben keine rein individuelle Last, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe ist. "Betroffenheit und Bewältigung sind nicht kontextfrei. ...Sexualisierte Gewalt entsteht unter der Bedingung von Ungleichheit, die sich in vielfältigen Verhältnissen zwischen Männern und Frauen, zwischen Erwachsenen und Kindern, zwischen Deutschen und Geflüchteten, zwischen Gesunden und Kranken oder zwischen Reichen und Armen ausdrückt. tUm sexualisierte Gewalt zu bewältigen, bedarf es nicht nur der individuellen Aufareitung, sondern auch der Wahrnehmung und Übernahme gesellschaftlicher Verwantwortung." Erschienen im DGVT-Verlag.

Dienstag, 02. März 2021

Spannende Untersuchung zur "Pädo"szene in Berlin veröffentlicht

Iris Hax und Seven Reiß haben für die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs eine "Vorstudie Programmatik und Wirken pädosexueller Netzwerke in Berlin" erstellt. Dies ist auf der Website der UKASK zu finden. Die Studie reicht von ersten Organisierungsversuchen in den 70ern bis in die heutige Zeit. Es ist eine umfassende Recherche geworden, für die nicht nur zahlreiche Zeitzeugen Interviews gaben, sondern auch z.B. das Schwule Museum das Archiv geöffnet hat. Es ist eine der ersten (die erste?) Untersuchung, in der es u.a. um das Zusammenspiel zwischen Weltanschauungen und sexualisierter Gewalt geht, eine Herangehensweise,,die sich z.B. auch bei der Untersuchung kirchlicher Vorfälle oder sexualisierter Gewalt durch Neonazis lohnen würde.

Die Vorstudie ist ein gelungener erster Schritt, dem hoffentlich weitere folgen werden. So wäre es sich z.B. im Rahmen weiterer Arbeiten sinnvoll, auch die Verflechtungen mit den Protagonist*innen der "Missbrauch mit dem Missbrauch"-Kampagne genauer zu untersuchen. In ihr trafen sich u.a. der damalige Rektor der Berliner Alice-Salomon-Hochschule Reinhart Wolff, der bis heute als "Kinderschützer" aktiv, ist, mit den Erlebnisreisen organisierenden "Story-Dealern" von Hans Geißlinger, dem sexualisierte Gewalt vorgeworden wurde, und Gruppen wie der Täterschützerorganisation SkiFas von denen einige Aktivisten später zu den Väterrechtlern wechselten. Vielleicht gibt es ja auch von Seite der Hochschule mal Interesse an einer Aufarbeitung.

Dienstag, 16. Februar 2021

"Auch wir sind einseitig parteilich"

Ein offener Brief zu den "Vorwürfen" gegen spezialisierte Fachberatungsstellen

Nachdem eine Hamburger Anwaltskanzlei, die Sexualstraftäter vertritt, auf ihrer Website Vorwürfe gegen spezialisierte Fachberatungsstellen erhoben hat, ohne uns zu nennen, sehen wir uns zu folgendem offenen Brief gezwungen:

Sehr geehrte Damen und Herren Rechtsanwält*innen,

wir sind auf eine ihrer Websites (www.sexualstrafrecht.hamburg) aufmerksam gemacht worden.
Sie nennen dort Sie eine Reihe von spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt, die Sie als „Opferhilfevereine“ bezeichnen. Sie werfen ihnen vor „ausnahmslos einseitig parteilich und feministisch-ideologisch für Opfer ausgerichtet“ zu sein.
Mit großer Empörung haben wir feststellen müssen, dass wir dort nicht erwähnt werden.

  • Wir sind eindeutig „einseitig parteilich“.
    Wir sind alle selber von sexualisierter Gewalt betroffen und vertreten so die einseitigen Interessen der Gruppe, zu der wir selber gehören. Wir sprechen hier explizit nicht nur von Mitsprache, sondern von Selbstermächtigung. Allein schon deshalb verbietet sich für uns Neutralität oder Überparteilichkeit.
  • Wir verfügen über einen hoffentlich sehr „bedeutungsschwangeren Namen“ (Tauwetter).
    Zu dem Namen gibt es sogar noch ein Gedicht (siehe Website).
  • Wir geben uns unverändert noch große Mühe „feministisch“ zu sein.
    (Den Begriff „ideologisch“ würden wir allerdings zurück weisen, denn Feminismus ist keine in sich geschlossene Ideologie, es wäre eher sinnvoll von Feminismen zu sprechen.)
  • Wir verfügen über Mitarbeiter*innen deren Qualifikation in Ihren Augen sicherlich „fraglich“ ist.
    Für uns zählt nämlich die Kompetenz und nicht ein Papier.
  • Entgegen der von Ihnen aufgestellten Behauptung beschränken die von Ihnen genannten Einrichtungen keineswegs alle „ihre Hilfsangebote auf Mädchen und Frauen“. Von daher dürfte auch die Tatsache, dass wir mit männlichen Betroffenen sexualisierter Gewalt arbeiten, kein Hindernisgrund für eine Nennung sein.

Wir erfüllen also ganz klar die von Ihnen benannten Kriterien. Warum werden wir also nicht genannt?

Wir sind seit 1995 aktiv und haben die ganzen Auseinandersetzungen im Zuge der „Missbrauch mit dem Missbrauch“-Kampagne miterlebt. Obwohl wir in diesem Zusammenhang zum Teil persönlich angegriffen worden sind, wurden wir als Einrichtung schon damals ignoriert. Anscheinend passte die Arbeit von und mit betroffenen Männern nicht ins Konzept. Wenn jetzt die alten Argumente neu aufgewärmt werden sollen, sind wir nicht länger bereit, diese Ignoranz hinzunehmen.

Zur Rettung unserer Ehre als parteiliche, feministisch-orientierte Fachberatungsstelle sehen wir uns gezwungen diesen offenen Brief zu formulieren. Wir hoffen, dass Sie das Ärgernis, das sich auf Ihrer Website befindet, schnellstmöglich abgestellen.

Zutiefst enttäuscht und empört,
das Team von Tauwetter

Dienstag, 15. Dezember 2020

Fortbildung zu sexualisierter Gewalt gegen Jungen

Das neue Fortbildungsprogramm der Sozialpädagogischen Fortbildungsstätte Berlin Brandenburg ist jetzt online erhältlich. Darin befindet sich u.a. eine Fortbildung von Tauwetter zu sexualisierter Gewalt gegen Jungen:

"Jungen und männliche Jugendliche, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind oder waren, zeigen trotz aller individuellen Unterschiede in ihren Bewältigungsversuchen oftmals geschlechtsspezifische Verhaltensweisen. Diese basieren auf ihrem Verständnis von Männlichkeit. ... In dem Seminar geht es um die Hintergründe des physischen Erlebens und seine Folgen sowie um Ansätze für Pädagogen/-innen zur Erkennung und Unterstützung ... . Ziel des Seminars ist es, die normale Scheu vor dem Thema zu verlieren sowie die eigene Handlungssicherheit in der Praxis zu stärken."

Termin: 21.10.2021.

Weitere Informationen, Anmeldung etc. unter https://sfbb.berlin-brandenburg.de/sixcms/detail.php/871812?_det=976128&_nav=976157&_kat=976006

Dienstag, 15. Dezember 2020

Tauwetter ist vom 20.12. bis zum 4.1. geschlossen

Die Anlaufstelle Tauwetter wird zwischen dem 20. Dezember 2020 und dem 4. Januar 2021 geschlossen. Während dieser Zeit finden keine telefonischen Sprechzeiten statt und wir beantworten auch keine Mails,

Vorausgesetzt es ergeben sich wegen Corona keine grundlegenden Änderungen werden wir ab Dienstag, den 5.1. wieder telefonisch und per mail erreichbar sein.

Mittwoch, 25. November 2020

NRW baut Landesfachstelle "Prävention sexualisierte Gewalt" auf 

In NRW sind in den letzten Jahren mehrere große Fälle sexualisierter Gewalt an die Öffentlichkeit gekommen, genannt seien nur die Ortsbezeichnungen Lügde, Bergisch Gladbach oder Münster. Diese haben der Landespolitik vor Augen geführt, dass auch auf Länderebene entschlossener gegen sexualisierte Gewalt vorgegangen werden muss. Die Landesregierung hat deshalb nach Beratungen mit Fachpersonen beschlossen, eine Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt neu einzurichten. Träger ist die AGJ, die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz. Sie soll die Anstrengungen zur Verhinderung sexualisierter Gewalt voranbringen in dem sie Erwachsene, d.h. Fachkräfte und Personal der Kinder- und Jugendhilfe und andere im Themenfeld sexualisierte Gewalt Tätige dabei unterstützt, präventiv zu wirken, sexualisierte Gewalt frühzeitig zu erkennen und angemessen zu intervenieren. Die eigentliche Fachberatung bleibt bei den spezialisierten Fachberatungsstellen. Zusätzlich sollen ab nächstem Jahr in jedem Regierungsbezirk ein*e Fachreferent*in eingestellt werden, die helfen sollen, die Anstrengungen der Landesfachstelle in die Breite zu tragen.

Dahinter steckt die Idee, dass es notwendig ist, bestehende Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe zu unterstützen, zu stärken und wo nötig besser zu qualifizieren. Es ist eine Möglichkeit des Landes unter gegebenen Umständen, die Kinder- und Jugendhilfe, die ja in die Zuständigkeit der Kommunen fällt, zu unterstützen.

Es wird spannend sein zu beobachten, ob dieser Ansatz zu einer Verbesserung der Situation beiträgt. Gleichzeitig ist klar, dass die weit verbreiteten Finanzierungsprobleme der Kinder- und Jugendhilfe damit noch nicht gelöst sind. 2018 hat eine Studie der Hochschule Koblenz den Arbeitsalltag im ASD der Jugendämter untersucht, gravierende strukturelle Probleme festgestellt und vorgeschlagen, die Finanzierung zur Aufgabe des Bundes zu machen. Leider sind Vor- und Nachteile dieses Vorschlags nicht ausführlich diskutiert worden, er verschwand schnell wieder in der Versenkung.

Adresse

Tauwetter e.V.
Gneisenaustr. 2a  
10961 Berlin
030 - 693 80 07

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