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Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren

© 2015 Tauwetter e.V.

Präventionsworkshops für Schüler

Der Rahmen von Präventionsworkshops

Eigentlich stehen Präventionsworkshops für Schüler am Ende der Maßnahmen, die für eine effektive Prävention sinnvoll sind. (Siehe auch „Implementierung struktureller Prävention in Institutionen" ). Dennoch ist dies oftmals das Einzige, was überhaupt an Prävention durchgeführt wird.

Wir wollen deshalb an dieser Stelle deutlich sagen: Wozu/warum sollen wir Jungen ermutigen, darüber zu sprechen, was sie an „komischen" Situationen, sexuellen Grenzverletzungen , Übergriffen oder massiven strafrechtlich relevanten Handlungen erleben, wenn in ihrem Umfeld keine Erwachsenen sind, die zuhören wollen?

Präventionsworkshops mit Schülern machen nur dann einen Sinn, wenn die ganze Schule bereit ist, sich dem Thema sexualisierte Gewalt zu stellen. Das beinhaltet Fortbildungen, die Entwicklung von Verhaltensregeln, die Festlegung von Verfahrenswegen, das Installieren eines Beschwerdemanagements, das Benennen zuständiger Ansprechpartner, ...

Wir sind gerne bereit, bei diesen Schritten zu unterstützen. Viele große Träger entwickeln inzwischen aber auch eigene Konzepte und haben organisationsinterne Ansprechpartner.

Was geschieht in den Präventionsworkshops?

Auf der benannten Grundlage lassen sich dann Präventionsworkshops mit Schülern durchführen.Tauwetter e.V. hat sich dabei auf Arbeit mit Schülern aus weiterführenden Schulen spezialisiert. Wir arbeiten dabei mit unserem Kooperationspartner Wildwasser Berlin zusammen.

Bevor die Jungen zu uns kommen und die Mädchen zu Wildwasser gehen, gibt es vorbereitende Elternabende und Lehrergespräche.

Sinnvoll ist es, wenn die Schüler_innen bereits Sexualaufklärung gehabt haben.

Während eines ganztägigen Workshops (10 -15Uhr) werden von den Mitarbeitern u.a. Informationen zum Thema vermittelt (Formen sexueller Gewalt, Aufteilung Täter / Täterinnen und Vorkommen innerfamiliären Missbrauchs/ Nahbereich / Fremdtäter...). Ausführlich wird auf die Fragen der Jungen eingegangen (Wer macht so was? Wird man davon schwul?...).

Dabei werden situationsabhängig in der Präventionsarbeit bewährte Materialien (z.B. in Comicform zum Mitnehmen) und andere (Lern-)Formen (Brainstorming, spielerische Fragerunden...) eingesetzt.

Ein für die Jungen zentrales Erlebnis im Workshop ist das Outing (Selbstoffenbaren) der Präventionsmitarbeiter von Tauwetter als Betroffene sexualisierter Gewalt im Rahmen eines Experteninterviews. Sie stehen den Jungen für Nachfragen und eine dirkete Auseinandersetzung zur Verfügung.

So wird sexuelle Gewalt als Realität erkennbar und bleibt nicht länger irgendetwas Ungreifbares/Unpersönliches, was weit weg ist und anderen passiert. Dies ist Voraussetzung, sexuelle Gewalt gegen Jungen und eventuell widerfahrene eigene Grenzverletzungen wahrnehmen zu können. Gleichzeitig wird so die Vorgabe „Darüber spricht mann nicht" durchbrochen.

Die Mitarbeiter von Tauwetter zeigen durch ihre Arbeit auf, dass es möglich ist, sich mit den eigenen Gewalterfahrungen produktiv auseinanderzusetzen. Sie wirken damit herrschenden Opferbildern und einer Stigmatisierung von Opfern entgegen.

Einen großen Raum nehmen die Möglichkeiten ein, sich Hilfe zu holen. Dabei wird darauf geachtet, dass die Grenzen der Jungen geachtet werden. Es wird z.B. meist nicht (in einer persönlichen Form) darüber geredet im Sinne von „wo finde ich Hilfe, wenn mir so etwas passiert", sondern in distanzierterer Form wie „was könnte ich tun, wenn einem Freund von mir so etwas passiert". Dies fördert gleichzeitig die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfe. Gemeinsam mit der Gruppe werden sowohl individuelle als auch allgemeine Unterstützungs - und Hilfsangebote erarbeitet. Wenn möglich wird der individuelle Teil von den Jungen selber verschriftlicht, beide Teile werden von ihnen mitgenommen.

Falls Sie an unseren Präventionsworkshops Interesse haben, nehmen Sie bitte unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Kontakt auf. Die Präventionsarbeit wird nicht von der öffentlichen Hand gefördert, d.h. wir müssen dafür einen Kostenbeitrag erheben.